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2011-11-02
Warmer Pullover fürs Haus

Gute Architektur – so ein Vorurteil – gibt es nur in der Stadt. Die Bauherren Ursula und Martin Rodriguez hatten den Mut, auch gegen herrschende Konventionen ein innovatives Einfamilienhaus zu bauen, das gestalterisch wie ökologisch Vorbildfunktion für die Region hat. Die hoch wärmegedämmte Außenhaut und die dreifache Isolierverglasung sorgen für energetische Effizienz. Zudem tragen Vorbaurollläden von Roma dazu bei, dass im Sommer die Hitze draußen und im Winter die Wärme drinnen bleibt. Seit Kurzem hat die kleine Gemeinde Utphe bei Hungen, in der Nähe von Gießen, eine „Landmark”. Das aufgeständerte Einfamilienhaus weckt die Assoziation an ein unbekanntes Flugobjekt, das am Ortsrand gelandet ist. Zumindest wird es von den Dorfbewohnern so betrachtet, die ihrerseits alle in gewohnt „geerdeten” Häusern leben. Jedes von ihnen trägt eine individuelle Handschrift, aber keines tanzt aus der Reihe. Es hätte nicht viel gefehlt, dann wären die Eheleute Rodriguez auch Eigentümer einer eher unauffälligen Immobilie geworden, die von den Fertighausherstellern meist irgendwie auf dem Grundstück platziert wird. Die mit der Familie befreundeten Architekten rissen das Ruder gerade noch rechtzeitig herum und wagten einen ungewöhnlichen Entwurf, der dennoch alle klassischen Wünsche einer ländlichen Bauherrschaft berücksichtigte. Dazu gehören in der Regel ein Carport, ein Geräteschuppen und ein Partykeller. Da die Verteilung der Einzelelemente dem schmalen Grundstück nicht zuträglich schien, wurden sie kurzerhand dem Haus „untergeschoben”, mit der Folge allerdings, dass die geplante und laut Bebauungsplan zugelassene Zweigeschossigkeit verspielt war. Dafür haben die Architekten gleich vorgesorgt, indem sie das Haus giebelseitig einfach in die Länge gezogen haben. Damit sind zugleich die Proportionen auf dem sehr kleinen, länglichen Grundstück stimmig. Gebaut wurde schließlich ein 21,50 Meter langer und nur 7,50 Meter breiter Baukörper, in dem sich die großflächig verglasten Aufenthaltsräume auf der Südseite mit unverbaubarem Blick in die Landschaft wie an einer Perlenkette aufreihen. Der 1,60 Meter breite, linear ausgerichtete Flur auf der Nordseite verleiht dem Haus nicht nur Großzügigkeit, sondern ist in seiner Pufferfunktion bereits Teil des KfW-40-Energiekonzeptes. Die Wohn- und Schlafräume sind bis unter die Dachschräge offen. Eingezogene Galerien erweitern die Nutzfläche und nehmen den kleinen Räumen etwas von ihrer Enge. Den Architekten ist es wichtig, ihre Entwürfe im Zusammenspiel aus planerischer Freiheit, den Wünschen der Bauherrschaft und dem schonenden Umgang mit Ressourcen zu sehen. Dazu bedarf es einer hinreichenden Isolierung des Gebäudes. Wichtig sind hier unter anderem moderne Rollläden, denn vor allem nachts ist der Wärmeverlust an den Fenstern besonders hoch. Zum Schutz vor Überhitzung in den Sommermonaten, aber auch aus Sicherheitsgründen wurden beim Objekt in Utphe auf der Südseite Vorbaurollläden von Roma eingebaut. Mit der Montage des Rollladensystems vor dem Fenster werden Lücken in der Dämmung des Mauerwerks, die bei herkömmlichen Mauerkästen auftreten, vermieden. Der Rollladenkasten ist frontseitig mit einem Putzträger versehen und damit voll in die Fassade integriert – was auch für einen besonderen gestalterischen Akzent sorgt. Schon in der Vorentwurfsphase wurden die Ausrichtung des Gebäudes, die Gebäudehülle und die Technik in einem stimmigen Energiekonzept zusammengefasst. Die Tragkonstruktion bildet ein nachhaltiger Holzrahmenbau, der auf einem thermisch getrennten Betonsockel verankert ist. In ihm sind auch die stählerne Außentreppe und der ebenfalls aus verzinktem Stahl bestehende Balkon auf der Südseite einbetoniert, um von vorneherein jede Wärmebrücke auszuschließen.